Die Organisatoren im Interview
Zu Marktpotenzial, Trends und welche Eigenschaften für Food-Gründer*innen besonders wichtig sind, haben uns die Organisatoren des Food Startup Campus, Christine Purnell und Walther Bruckschen ihre Einschätzung gegeben.
mb: Wie schätzt Ihr die Potenziale im Bereich Food (Nahrungsmittel/Verarbeitende Industrie) für Startups derzeit ein? Wo entstehen hier neue Geschäftsideen und neue Produkte?
Walther Bruckschen: "Aus unserer Sicht bestätigt sich die hohe Innovationsdynamik im Food-Bereich, auch wenn sich die Marktbedingungen spürbar verändert haben. Die aktuell gedämpfte Konsumstimmung führt dazu, dass sich neue Produkte stärker über einen klar erkennbaren Mehrwert differenzieren müssen.
Besonders deutlich wird dies im Bereich funktionaler Lebensmittel und Getränke, die gezielt auf zusätzliche Nutzenversprechen wie Energie, Fokus oder Nährstoffoptimierung setzen. Hier zeigt sich eine Verschiebung hin zu Produkten, die nicht nur konsumiert, sondern bewusst zur Unterstützung von Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden eingesetzt werden.
Gleichzeitig beobachten wir eine Weiterentwicklung im Segment der alternativen Rohstoffe und Proteinquellen. Neben klassischen pflanzlichen Alternativen gewinnen innovative Ansätze wie Fermentation, Pilz-basierte Produkte oder Upcycling an Bedeutung und erweitern das Spektrum nachhaltiger Lösungen.
Ein weiterer, klarer Trend ist die zunehmende Premiumisierung im Bereich alkoholfreier Getränke und sogenannter „Adult Soft Drinks“. Diese Produkte bedienen das Bedürfnis nach Genuss und Ritualen, ohne Alkohol zu konsumieren, und positionieren sich zunehmend im hochwertigen Segment.
Darüber hinaus zeigt sich, dass Convenience und Qualität immer stärker zusammen gedacht werden. Ready-to-drink- und Ready-to-eat-Konzepte entwickeln sich weiter in Richtung hochwertiger, gesundheitsorientierter Lösungen für den Alltag."
Was zeichnet speziell erfolgreiche Gründer*innen im Bereich Food aus?
Christine Purnell: "Gründerinnen und Gründer im Food-Bereich müssen aus unserer Sicht ein hohes Maß an operativer Resilienz mitbringen. Sie sind früh gezwungen, ihre Produkte im direkten Marktkontakt zu testen – sei es auf Messen, Events oder im direkten Vertrieb – und erhalten so kontinuierlich Feedback von Endkundinnen und -kunden.
Diese Nähe zum Markt erfordert nicht nur Anpassungsfähigkeit, sondern auch die Bereitschaft, schnell zu lernen und Konzepte iterativ weiterzuentwickeln.
Gleichzeitig entsteht bereits in frühen Phasen ein hoher organisatorischer Aufwand. Mit wachsender Nachfrage benötigen viele Food-Startups kurzfristig zusätzliche Unterstützung, häufig in Form von Aushilfskräften oder temporären Teams. Das bedeutet, dass Gründerinnen und Gründer früh lernen müssen, mit unterschiedlichsten Stakeholdern zu arbeiten, Aufgaben zu koordinieren und Verantwortung zu delegieren.
Insgesamt wird deutlich, dass neben Produktüberzeugung und Leidenschaft insbesondere die Fähigkeit zählt, unter hoher Komplexität zu operieren und parallel Vertrieb, Produktion und Teamaufbau voranzutreiben."